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Glen Garioch 15 Jahre – Ein kräftiger Highlander, auf den ich lange gewartet habe
Manchmal gibt es diese Whiskys, die einem immer wieder über den Weg laufen. Man liest davon, hört Empfehlungen von Freunden oder sieht sie im Regal – aber irgendwie kommt es nie dazu, sie tatsächlich ins Glas zu bekommen. Genau so ging es mir mit dem Glen Garioch 15 Jahre Sherry Cask Matured. Besonders nachdem mich der kleine Bruder, der Glen Garioch 12 Jahre, extrem überzeugt hat, war diese Abfüllung hoch im Kurs bei mir.
Der stand wirklich lange auf meiner persönlichen „Muss ich endlich mal probieren“-Liste. Und als ich mir schließlich eine Flasche besorgt habe, war klar: Heute wird nicht lange gewartet. Korken auf, Glas raus – und direkt rein in die Verkostung.
Schon beim Öffnen gibt es diesen Moment, den Whiskyfans kennen und lieben: der satte Korken-Plopp. Ein kleines Ritual, das irgendwie immer die Vorfreude steigert. Auf dem Korken prangt selbstbewusst „1797“, das Gründungsjahr der Glen Garioch Distillery. Damit gehört sie zu den wenigen schottischen Destillerien, die tatsächlich noch vor 1800 gegründet wurden – ein Stück Whiskygeschichte also.
Im Glas zeigt sich sofort eine schöne, dunkle Farbe, die wir der intensiven Sherryfass-Reifung aus Oloroso Sherry Casks zu verdanken haben. Dazu kommt eine kräftige Trinkstärke von 53,7 % Vol. und die Tatsache, dass er nicht kühlfiltriert ist. Rein auf dem Papier ist das also schon mal ein Whisky, der eher auf der intensiven Seite unterwegs ist. Über die Angabe zur Zugabe von Zuckerkulör (Farbstoff) schweigt sich die Brennerei wie immer aus. Der einzige Abzug in der B-Note für mich als kleiner Geek. Ansonsten verspricht der Glen Garioch 15 Jahre Sherry Cask Matured sehr viel.
Die Nase: Dunkle Früchte, brauner Zucker und eine Spur Tabak
Der erste Eindruck in der Nase ist tatsächlich genau das, was ich mir von diesem Whisky erhofft hatte. Sofort steigen intensive Sherryaromen auf: dunkle, süße Noten von braunem Zucker, getrockneten Datteln und Pflaumen. Dazu kommen dunkle Fruchtaromen, die fast ein bisschen in Richtung fermentierte Beeren gehen.
Besonders spannend finde ich eine leicht herbe Note, die mich stark an Zigarrenkiste oder Tabak erinnert. Genau diese Kombination aus Süße und würziger Tiefe ist etwas, das ich an guten Sherry-Whiskys liebe.
Die Nase erinnert mich dabei tatsächlich ein wenig an ältere Abfüllungen aus der GlenDronach Distillery – also an diese klassischen, dunklen Sherryprofile, die nicht einfach nur süß sind, sondern auch eine gewisse Würze und Tiefe mitbringen.
Nase also genau mein Profil im Bereich der Sherryfass gelagerten Scotch Single Malts.
Der erste Schluck: Kraftvoll und würzig
Am Gaumen zeigt der Whisky sofort, dass er kein Leichtgewicht ist. Die 53,7 % Alkohol sind definitiv spürbar und sorgen für einen kräftigen Antritt. Das passt aber auch zum Stil der Brennerei, denn die Whiskys aus den schottischen Highlands – besonders aus dem östlichen Teil – haben oft eine etwas würzigere und kernigere Art. In direkter Nachbarschaft liegt GlenDronach, Ardmore, etwas südlicher Fettercairn und Glencadam. Dieser würzige, leicht nussige Grundcharakter ist diese Destillen für meinen Geschmack gemein. Für mich eine sehr unterschätze Whisky-Region Schottlands.
Der Whisky bringt eine ordentliche Würze mit, begleitet von einer leichten Bitterkeit, die Tannine schieben gut nach. Aromatisch finde ich wieder viel von dem, was die Nase schon angedeutet hat: brauner Zucker, dunkle Früchte und eine leicht herbe Note, die ein bisschen an Bittermandel oder sogar Amaretto erinnert. Gerade im Finish taucht außerdem etwas auf, das mich stark an karamellisierten Zucker oder Crème brûlée denken lässt – also diese Mischung aus Süße und leicht angebrannter Bitterkeit.
Was ich allerdings auch sagen muss: Ganz so komplex, wie ich nach der Nase erwartet hatte, ist der Whisky am Gaumen zunächst nicht. Er ist lecker, kräftig und sehr charakterstark, aber eher geradlinig als vielschichtig.
Ein paar Tropfen Wasser helfen
Weil der Whisky relativ hochprozentig ist, habe ich ihm nach dem ersten Schluck ein paar Minuten Zeit gegeben und anschließend ein paar Tropfen Wasser hinzugefügt. Und genau hier passiert etwas Spannendes.
Mit etwas Wasser öffnet sich der Whisky deutlich. Plötzlich zeigen sich zusätzliche Fruchtnoten – vor allem Pflaume – und dazu kommt eine würzige Komponente, die mich stark an Nelken erinnert. Gleichzeitig wirkt die Süße etwas runder und der Alkohol tritt ein kleines Stück zurück.
Das ist immer ein gutes Zeichen: Ein Whisky, der auf Wasser reagiert, hat oft noch mehr zu erzählen, wenn man sich Zeit mit ihm lässt.
Warum Glen Garioch für mich besonders interessant ist
Ein Punkt, der diesen Whisky für mich zusätzlich spannend macht, ist die Entwicklung der Brennerei selbst. Die Glen Garioch Distillery gehört heute zum japanischen Konzern Suntory.
Normalerweise erwartet man bei großen Konzernen ja eher einen Fokus auf möglichst hohe Produktionsmengen. Das schlägt sich leider oft nieder in niedrigen Trinkstärken von 40 oder 43 % Vol (einsteigerfreundlich) und außerdem der Kühlfilterung. Interessanterweise scheint hier aber das exakte Gegenteil zu passieren. Glen Garioch ist bekannt für markante und hochprozentige Abfüllungen.
In den letzten Jahren hat die Brennerei einige Entscheidungen getroffen, die eher in Richtung traditioneller Produktion gehen. Dazu gehört unter anderem die Rückkehr zur Direktbefeuerung der Wash Still (der ersten Brennblase), was dem Destillat mehr Gewicht und Charakter gibt. Außerdem wurde ein Teil der Floor Maltings wieder eingeführt. Mehr Washbacks sollen helfen die Fermentationszeiten zu verlängern, um komplexere Aromen zu erzeugen. Und auch Experimente mit Brauereihefen, wirken in diese Richtung. Alles in Allem also Maßnahmen, die der Qualität des Whiskys zugute kommen, nicht der Quantität.
Ein Grund mehr die Brennerei auch in den kommenden Jahren im Auge zu behalten. Denn die Single Malts sind bereits jetzt schon super, könnten aber perspektivisch sogar noch besser werden!
Mein Fazit
Nach dieser ersten Verkostung würde ich den Glen Garioch 15 Jahre so zusammenfassen: Die Nase ist wirklich beeindruckend und liefert eine tolle Mischung aus dunklen Früchten, braunem Zucker und würzigen Sherrynoten. Am Gaumen zeigt sich der Whisky kräftig, würzig und charaktervoll, auch wenn er nicht ganz die aromatische Komplexität erreicht, die die Nase zunächst verspricht.
Besonders gut gefällt mir, dass er mit ein wenig Wasser noch einmal deutlich aufblüht und zusätzliche Aromen freigibt. Für Fans kräftiger Highland-Whiskys ist das definitiv ein spannender Dram.
Preislich bewegt sich der Whisky meist irgendwo zwischen 65 und 80 Euro. In diesem Bereich finde ich ihn absolut fair – gerade wenn man bedenkt, dass er 15 Jahre alt ist und eine intensive Sherryfass-Reifung mitbringt.
Unterm Strich ist das für mich ein wuchtiger, ehrlicher Highland-Whisky mit viel Sherrycharakter – und definitiv einer, den man als Whiskyfan zumindest einmal im Glas gehabt haben sollte.
Bis später!
Euer Leon

