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Whisky Roads Kanada – Mein erster Stopp bei Macaloney’s: Wo schottische Tradition auf kanadischen Charakter trifft
Kanada. Wenn man an große Whisky-Nationen denkt, landet „The Great White North“ bei vielen Whiskyfans eher selten weit oben auf der Liste. Schottland. Irland. Japan. Vielleicht die USA. Aber Kanada?
So war es lange Zeit auch bei mir, bis ich das Buch „Canadian Whisky“ von Davin de Kergommeaux gelesen habe und mein Interesse geweckt wurde. So habe ich meinen diesjähigen Urlaub und meine Whiskyreise Kanada gewidmet, um herauszufinden, was kandischen Whisky ausmacht.
Mit Malt Mariners reise ich seit über 12 Jahren zu Whisky-Brennereien auf der ganzen Welt, spreche mit Whiskyproduzenten und versuche, die Geschichten hinter dem Whisky zu erzählen – nicht nur das, was im Glas passiert, sondern auch das, was davor entsteht: Ideen, Entscheidungen und vor allem die Menschen hinter dem Whisky.
Meine erste Station: Macaloney’s Distillery in Victoria, British Columbia.
Eine Brennerei direkt am Pazifik – gegründet von einem Schotten, getragen von Whisky-Enthusiasten und mit einer Philosophie, die Tradition ernst nimmt, ohne sich von ihr begrenzen zu lassen.
Graemes Whisky Hintergrund – vom schottischen Studenten zum kanadischen Master Whisky Maker
Bevor wir überhaupt die Produktion betreten haben, wollte ich verstehen, wer hinter Macaloney’s steckt.
Dr. Graeme Macaloney ist nicht der klassische Quereinsteiger mit einer romantischen Idee und etwas Kapital im Rücken. Seine Geschichte beginnt in Schottland. Bereits als Schüler arbeitete er in einer Whiskydestille – ein Sommerjob, der offensichtlich Spuren hinterlassen hat. Statt nur Interesse mitzunehmen, entschied er sich für ein Studium der Fermentation in Glasgow. Daraus wurde ein Master in Biochemical Engineering und schließlich ein PhD mit Fokus auf Fermentationsprozesse.
Eigentlich schien damit der Weg in die Whiskyindustrie vorgezeichnet. Bis ihm gesagt wurde, er sei überqualifiziert. Also landete er zunächst in Biotechnologie und Pharmazie – ein ungewöhnlicher Umweg, der sich heute rückblickend fast logisch anhört. Denn Graeme beschreibt die Herstellung von Bier, Whisky oder pharmazeutischen Produkten überraschend ähnlich: Rohstoffe, Gärung, Prozesskontrolle, Reifung.
1989 zog er nach Kanada. Der Traum einer eigenen Brennerei blieb. Was mich besonders beeindruckt hat: Macaloney’s wurde nicht durch einen Großinvestor aufgebaut. Graeme reiste quer durchs Land, besuchte Whiskyclubs und stellte seine Idee vor. Rund 700 Whiskybegeisterte investierten schließlich gemeinsam in das Projekt.
Wie bei Macaloney’s rauchiger Whisky hergestellt wird
Eine der spannendsten Stationen des Rundgangs war für mich die Torfrauch-Anlage. Denn wenn man an rauchigen Whisky denkt, passiert normalerweise Folgendes: Gerste wird in Schottland vermälzt, dort mit Torf geräuchert und anschließend an Brennereien geliefert.
Macaloney’s geht einen anderen Weg. Die Brennerei arbeitet mit kanadischer Gerste – und räuchert selbst. Graeme erklärte mir sehr ausführlich, warum er sich bewusst dafür entschieden hat. Seiner Meinung nach liefert kanadische Braugerste mehr Geschmack und Charakter als viele moderne, auf Effizienz optimierte Whiskygersten.
Der Haken: Vorgeräuchertes Malz dafür gibt es kaum. Also entwickelte Macaloney’s eine eigene Lösung. Das bereits vermälzte Getreide wird zunächst wieder angefeuchtet und anschließend vor Ort über rund 30 Stunden kalt geräuchert. Und jetzt wird es wirklich spannend: Nicht nur schottischer Torf kommt zum Einsatz. Macaloney’s experimentiert mit unterschiedlichen Torfherkünften – kanadischer Torf, Washington Peat, schottischer Torf und unterschiedliche regionale Charaktere.
Graeme sprach dabei immer wieder über Terroir. Ein Begriff, den man sonst eher aus der Weinwelt kennt. Aber genau das macht diesen Ansatz interessant. Hier geht es nicht darum, Islay zu kopieren. Hier geht es darum, zu verstehen, welchen Einfluss Herkunft tatsächlich auf Rauch und Aroma haben kann. In der selbstgebauten Anlage erzeugt Graeme also sein eigenes Rauchmalz. Mit einem Augenzwinkern meinte er „hier kommen der kanadische Erfindergeist und die schottischen Knausrigkeit zusammen“. Denn diese Anlage hätte neu gekauft ein vielfachtes des eigentlichen Preises gekostet. Graeme ist erfinderisch – ein Whisky-Entrepreneur wie er im Buche steht.
Maischen und Fermentation – schottische Tradition mit eigener Handschrift
Graeme spricht immer davon, dass er die „best practices“ (also die was gut in Schottland funktioniert) beibehalten will und den Prozess da optimieren will, wo es Sinn macht. Dazu hatte er sich zu Beginn Hilfe vom berühmten Whisky Expertem Dr. Jim Swan geholt.
Das Maischen bleibt bei Macaloney’s zunächst klassisch schottisch.
Wobei man bei den Mühlen erwähnen muss, dass er zwei Mühlen hat, da Macaloneys sowohl „Scottish Style Single Malt“ als auch „Irish Style Pot Still Whisky“ herstellt.
Beim Maischen kommen drei Wasserstufen zum Einsatz mit steigender Temperatur. Ein Ablauf, der sehr nah an traditionellen Scotch-Destillerien bleibt. Graeme erklärte mir jeden Schritt mit beeindruckender Detailtiefe und setzt dabei immer wieder kleinere Seitenhiebe auf die schottische Whiskybranche. Man sieht seinen Ehrgeiz, er will einerseits nach schottischem Vorbild arbeiten, aber er will es auch besser machen.
Doch richtig interessant wird es bei der Fermentation. Hier beginnt Macaloney’s bewusst eigene Wege zu gehen. Während viele schottische Brennereien mit einer einzigen Hefe arbeiten und nach rund zwei Tagen vergären, setzt Macaloney’s auf zwei Hefestämme.
Einer liefert stabile Alkoholbildung. Der zweite wurde gezielt ausgewählt, um mehr natürliche Öle und Textur aufzubauen. Das Ziel: Mehr Fruchtigkeit, mehr Cremigkeit und ein besseres Mundgefühl.
Zusätzlich bleibt die Würze länger in den Gärtanks. Nicht weil mehr Alkohol entsteht – sondern weil sich die Aromen weiter entwickeln dürfen. Graeme verglich das mit Bierreifung. Die Fermentation endet – aber die Geschmacksentwicklung läuft weiter. Das klingt nach kleinen Stellschrauben. Im Whisky sind solche kleinen Stellschrauben wichtig.
Destillation bei Macaloney’s – warum langsamer manchmal besser ist
Der Bereich der Brennblasen war einer der spannendsten Momente des Besuchs. Auf den ersten Blick wirkt alles vertraut – klassische Pot Stills, traditionelle Bauweise, nichts, das laut nach Innovation ruft.
Und dann beginnt Graeme zu erklären. Die Brennerei destilliert deutlich langsamer als viele klassische Scotch-Destillerien. Etwa 50 Prozent mehr Zeit. Warum? Mehr Kupferkontakt. Und mehr Kupferkontakt bedeutet weichere Destillate, mehr Fruchtaromen und weniger schwere oder scharfe Noten. Damit steht er aber auch nicht allein da, bei modernen Whiskybrennereien der neuen Schule ist dies üblich.
Besonders spannend fand ich seine Erklärung zum Cut – also dem Moment, in dem entschieden wird, welcher Teil des Destillats später tatsächlich Whisky werden darf. Macaloney’s arbeitet hier extrem selektiv und konzentriert sich auf die leichtesten und fruchtigsten Bestandteile. Das kostet Ausbeute.
Aber genau solche Entscheidungen ziehen sich durch die gesamte Brennerei: weniger Fokus auf maximale Effizienz – mehr Fokus auf Charakter. Ich persönlich finde es interessant, dass er hier versucht so fruchtig wie möglich zu sein. Mein persönlicher Whiskygeschmack tendiert nämlich eher in die andere Richtung, ich mag schwere, wuchtige Malts, die z.B. mit Worm Tubs kondesiert wurden. Aber das augenscheinliche Problem für junge Destillen liegt hier auf der Hand: Dieser Brennereicharakter braucht viel Zeit im Fass und diese Zeit haben junge Brennereien nicht. Macaloneys Whisky ist nicht 10, 15 oder 20 Jahre alte. Dennoch räumt er regelmäßig Auszeichnungen ab. Sein Ansatz scheint also aufzugehen.
Unser Besuch im Fasslager – der Moment, an dem alles zusammenkommt
Dann kam für mich der beste Teil des Besuchs. Das Fasslager. Wer regelmäßig Brennereien besucht, kennt diesen Moment. Die Tür öffnet sich und plötzlich verändert sich die Luft. Holz, Alkohol, Feuchtigkeit und diese besondere Atmosphäre, die man eigentlich nie vollständig beschreiben kann. Zwischen zahlreichen schlummernden Fässern erklärte mir Graeme seine Philosophie zur Fassreifung. Bourbonfässer als Basis. Sherryfässer für zusätzliche Komplexität. Dazu Portweine, Süßweine und verschiedene Holzarten.
Was mir besonders gefallen hat: Er sprach nie davon, Fässer zu benutzen, um Fehler zu kaschieren oder Whisky künstlich spannender zu machen. Das Fass soll unterstützen – nicht dominieren. Und genau deshalb beginnt für ihn alles mit einem guten New Make.
STR Casks von Jim Swan erklärt – warum junge Whiskys erstaunlich reif wirken können
Ein Begriff, der während des Besuchs immer wieder auftauchte, war STR. Shave. Toast. Rechar. Ein Fasskonzept von Dr. Jim Swan, der Macaloney’s intensiv begleitet hat.
Graeme zeigte mir direkt am Fass, was passiert: Ein bereits genutztes Fass wird innen abgeschliffen, erneut getoastet und anschließend erneut ausgebrannt. Dadurch karamellisieren verbliebene Weinaromen im Holz und gleichzeitig entsteht eine intensivere Interaktion zwischen Spirituose und Fass.
Besonders spannend wird das zusammen mit dem Klima in Victoria. Die trockeneren und wärmeren Bedingungen sorgen für höhere Verdunstungsraten als in Schottland. Mehr Angel’s Share bedeutet gleichzeitig mehr Sauerstoffaustausch – und damit schnellere oxidative Reifung. Das erklärt, warum manche vergleichsweise jungen Macaloney’s-Abfüllungen erstaunlich reif und komplex wirken.
Mein Fazit – Warum Macaloney’s der perfekte Start für diese Kanada-Reise war
Als ich die Brennerei verlassen habe, hatte ich nicht das Gefühl, einfach nur einen weiteren Produzenten besucht zu haben.
Ich hatte das Gefühl, jemanden getroffen zu haben, der sehr bewusst entschieden hat, was er übernehmen möchte – und was nicht.
Die Brennerei nutzt schottisches Wissen, kombiniert es mit kanadischen Rohstoffen, einem anderen Klima und einer sehr eigenen Vorstellung davon, wie moderner Whisky entstehen kann.
Und genau deshalb war dieser erste Stopp für mich der perfekte Start in diese Reise.
Wenn das mein erster Eindruck von kanadischem Whisky war, dann bin ich sehr gespannt darauf, welche Geschichten mich auf den nächsten Stationen noch erwarten.
Wenn du Lust hast, Whiskys gemeinsam zu entdecken, buch dir doch ein Whisky-Tasting bei mir.
Ob online oder vor Ort, wir verkosten gemeinsam besondere Abfüllungen, sprechen über Herstellung, Aromen und Geschichte – und haben einfach eine gute Zeit.
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Bis später!
Euer Leon

