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Kavalan Podium im Glas – Taiwanischer Whisky zwischen Exotik und Überraschung
Wenn man über die spannendsten Whiskyregionen außerhalb Schottlands spricht, fällt früher oder später ein Name: Kavalan. Die taiwanesische Destillerie hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten einen beeindruckenden Ruf erarbeitet und gehört für mich inzwischen zu den wichtigsten Botschaftern asiatischer Whiskykultur.
Vor Kurzem hatte ich wieder die Gelegenheit, den Kavalan Podium ins Glas zu bekommen – einen Whisky, der mich schon lange neugierig gemacht hat. Meine Erinnerung daran war durchweg positiv: fruchtig, exotisch und typisch Kavalan. Doch wie so oft zeigt sich erst im direkten Tasting, ob eine Erinnerung der Realität standhält.
Was macht den Kavalan Podium besonders?
Der Kavalan Podium wird in einer Kombination aus Virgin Oak Fässern aus amerikanischer Weißeiche und Refill-Fässern gereift. Abgefüllt wird er mit 46 % Vol., ohne Kühlfiltration und ohne Farbstoffe – also genau so, wie viele Whiskyfans es bevorzugen.
Gerade die Virgin-Oak-Reifung macht neugierig, denn sie sorgt häufig für intensive Holznoten, Süße und Würze. Gleichzeitig ist Kavalan bekannt für seine unverwechselbare Fruchtigkeit, die oft an Mango, Papaya oder andere tropische Früchte erinnert.
Der erste Eindruck: Typisch Kavalan
Schon beim ersten Nosing begegnete mir eine Note, die ich bei Kavalan regelmäßig wahrnehme: eine leichte Klebstoff- oder frische Holznote. Das mag zunächst ungewöhnlich klingen, ist für mich persönlich aber keineswegs negativ.
Wer häufig Bourbon oder Rye Whisky trinkt, kennt diese frischen Holz- und Vanillearomen, die manchmal an frisch bearbeitetes Holz oder eben an Klebstoff erinnern können. Genau diese Charakteristik gehört für mich mittlerweile zum typischen Kavalan-Profil.
Dahinter zeigen sich erste Fruchtnoten. Allerdings deutlich zurückhaltender, als ich es von vielen anderen Abfüllungen der Destillerie gewohnt bin. Statt eines exotischen Fruchtkorbs dominieren zunächst Würze, Holz und eine gewisse alkoholische Präsenz.
Am Gaumen überraschend anders
Der Kavalan Podium präsentiert sich angenehm cremig und weich. Honigsüße, Steinobst und reife Pfirsichnoten stehen nun stärker im Vordergrund. Die oft erwarteten tropischen Mango-Explosionen bleiben allerdings aus. Ich bin etwas überrascht. Enttäuscht wäre zu hart, aber meine Erwartungen und Erinnerungen waren besser.
In meiner Erinnerung war dieser Whisky deutlich fruchtiger. Stattdessen zeigte er sich eher auf der holzigen, süßen Seite mit Noten von Honig, Melasse und einer feinen Würze. Dazu gesellen sich leichte Nussaromen, die mich an Mandeln und Walnüsse erinnern.
Besonders interessant fand ich eine leicht wachsige Komponente, die mich stellenweise sogar an bestimmte schottische Highland Whiskys erinnerte (Clynelish 14 Jahre).
Ein Whisky, der Zeit im Glas braucht
Eine spannende Entwicklung zeigte sich nach einigen Minuten im Glas.
Mit etwas Luft traten die süßen Noten stärker hervor. Die anfängliche Klebstoffnote rückte in den Hintergrund und machte Platz für gezuckerte Früchte, Banane und eine angenehme Sirupsüße. Dennoch blieb der Whisky insgesamt eher schwer greifbar. Keine einzelne Aromatik dominiert, vielmehr bewegt er sich in einem ausgewogenen Spektrum aus Holz, Süße, Frucht und leichter Würze.
Genau das macht ihn gleichzeitig interessant und schwer einzuordnen.
Mein Fazit zum Kavalan Podium
Der Kavalan Podium hat mich auf eine angenehme Weise überrascht – allerdings anders als erwartet.
Wer einen extrem fruchtigen Kavalan sucht, wird möglicherweise andere Abfüllungen der Brennerei bevorzugen (z.B. den Concertmaster mit Porwein Finish). Der Podium setzt stärker auf Holz, Honigsüße, Steinobst und dezente Nussnoten. Er wirkt ruhiger und weniger spektakulär als manche der berühmten Solist-Abfüllungen. Für Freude des Exoten-Kicks könnte es sogar etwas langweilig sein.
Ist er ein schlechter Whisky? Nein. Haut er mich aus den Socken? Nö.
Er ist gut gemacht, angenehm zu trinken und bietet eine interessante Alternative zu den häufig dominierenden Sherry-, Port- oder Weinfassabfüllungen. Für mich bewegt er sich im Bereich eines soliden Whiskys, ohne dabei zu den absoluten Highlights der Destillerie zu gehören.
Preis-Leistungs-Verhältnis:
Grundsätzlich mag ich diesen Whisky. Er ist ein wenig effekt-haschender Single Malt der gut runter geht. Bei einem Preispunkt von ca. 70 € ist er mir allerdings etwas zu teuer. Ich sehe den Malt qualitativ eher bei 50-60 €. Müsste ich mich für einen Kavalan entscheiden, würde ich vermutlich eher zu Concertmaster Port Cask Finish oder dem Kavalan Standard Single Malt im Preissegment um die 50 € greifen.
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Bis später!
Euer Leon

