Hakushu vs. Yoichi im Japan Derby Whisky Battle - Whisky Tasting 287

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Hakushu Distillers Reserve vs. Yoichi – ein japanisches Whisky-Derby zwischen Wald und Rauch

Diesmal gibt es ein Whisky Battle der besonderen Art: Ein japanisches Whisky-Derby in dem die beiden Whisky-Giganten Suntory und Nikka gegeneinander antreten: Die Hakushu Distillery gegen die Yoichi Distillery. Zwei Brennereien, zwei Konzerne, zwei Philosophien – und jede Menge Geschichte im Glas.

Ich hatte unglaublich Lust auf diesen Vergleich, weil japanischer Whisky für mich immer wieder zeigt, wie viel Tiefe, Zurückhaltung und Eleganz in Spirituosen stecken kann. Wer sich ernsthaft mit japanischem Whisky beschäftigen möchte, kommt an diesen beiden Häusern nicht vorbei.

Die Geschichte beginnt mit Masataka Taketsuru, dem Mann, der in Schottland das Handwerk des Whisky-Brennens lernte und dieses Wissen nach Japan brachte. Gemeinsam mit Shinjiro Torii legte er den Grundstein für das, was später Suntory und Nikka werden sollte. Aus dieser Trennung entstanden zwei Konzerne – und zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen an Whisky. Yoichi, Taketsurus erste Brennerei, wurde 1934 auf Hokkaido gegründet, bewusst in einer rauen, kühlen Gegend, die ihn an Schottland erinnerte. Hakushu folgte fast 40 Jahre später, 1973, mitten im Wald – abgeschieden, grün und ruhig.

Schon diese Herkunft spürt man im Glas.

Ich habe beide Whiskys frisch geöffnet und ihnen bewusst Zeit gegeben. Japanische Whiskys profitieren enorm davon, wenn man sie atmen lässt. Nach über zwanzig Minuten im Glas ging es los – und ich begann mit dem Hakushu Distiller’s Reserve, weil er für mich der leisere, elegantere Einstieg ist.

Nosing & Tasting Hakushu Distiller`s Reserve

In der Nase zeigt sich Hakushu erstaunlich komplex für einen Whisky ohne Altersangabe. Ich bekomme sofort grüne, fast grasige Noten, dazu Honig, Toffee und eine angenehme Malzigkeit. Es erinnert mich an eine Waldwiese, irgendwo zwischen Kräutergarten und feuchtem Moos. Thymian, Oregano, getrocknete Kräuter – alles sehr fein, nichts aufdringlich. Rauch suche ich hier fast vergeblich. Wenn er da ist, dann nur als Ahnung, nicht als Statement.

Am Gaumen bestätigt sich dieser Eindruck. Der Hakushu ist cremig, weich und unglaublich elegant. Karamell und Honig dominieren zunächst, später kommen florale und leicht mineralische Noten hinzu. Er hat fast etwas von einem mineralischen Weißwein, diese kühle, klare Struktur, die ich unglaublich spannend finde. Mit mehr Zeit öffnen sich weitere Schichten: Zuckerwatte, Himbeere, ein Hauch von Bierhefe und sogar Assoziationen an ein fruchtiges IPA im Finish. Das ist kein Whisky für nebenbei. Das ist ein Dram, der Aufmerksamkeit verlangt – und sie großzügig belohnt.

Nosing & Tasting Yoichi Single Malt

Dann der Wechsel zum Yoichi Single Malt. Schon beim ersten Schnuppern ist klar: Das ist eine ganz andere Baustelle. Der Rauch ist sofort präsent. Kalter Kaminrauch, Röstaromen, dunkles Toastbrot mit Honig. Dazu eine getreidige Tiefe, eine leichte Säure, fast etwas Limette im Hintergrund. Blind hätte ich diesen Whisky problemlos in Schottland verortet, irgendwo zwischen Campbeltown und einem leicht rauchigen Highland Malt oder Ledaig.

Am Gaumen ist der Yoichi kräftiger, ruppiger und direkter. Mehr Rauch, mehr Röstaromen, mehr Druck. Dunkles Karamell, Roggenbrot, Tabak, schwarzer Pfeffer. Er wirkt geradliniger als der Hakushu, weniger verspielt, weniger tief – aber dafür ehrlich, kernig und würziger. Die 45 Volumenprozent merkt man, ebenso den Charakter der Brennerei. Yoichi ist kein Orchester, sondern eine alte Rockband, mit rauchiger Stimme und Geschichte. Auch geil.

Yoichi und Hakushu Distiller´s Rerserve im Vergleich

Der direkte Vergleich ist gar nicht so einfach, weil die beiden Whiskys zwar aus derselben Whisky-Nation stammen, aber stilistisch doch weiter auseinanderliegen, als ich vermutet hatte. Der Hakushu lebt von Zurückhaltung, Eleganz und Wandelbarkeit. Der Yoichi lebt von Rauch, Getreide und Kraft. Preislich spiegelt sich das auch wider. Der Yoichi ist deutlich günstiger und bietet dafür ein starkes Gesamtpaket. Der Hakushu ist teurer – schmeckt aber auch genau danach.

Wenn ich rein nach Preis-Leistung gehe, gewinnt der Yoichi. Wenn ich nach Eleganz, Komplexität und „Zeit im Glas“ bewerte, gewinnt für mich deutlich der Hakushu Distiller’s Reserve. Würden beide gleich viel kosten, wäre meine Entscheidung leicht. So bleibt es ein emotionales Kopf-an-Kopf-Rennen.

Am Ende ist dieses Derby für mich ein perfektes Beispiel dafür, warum ich Whisky-Vergleiche und Tastings so liebe. Man lernt nicht nur einzelne Abfüllungen kennen, sondern versteht ganze Stilrichtungen, Philosophien und Geschichten. Genau das macht ein gutes Whisky-Tasting aus: sich Zeit nehmen, zuhören, entdecken – und vielleicht sogar die eigene Vorliebe neu definieren.

Japanischer Whisky ist kein lauter Entertainer. Er ist ein Gespräch. Und manchmal ein Konzert.

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Bis später!

Euer Leon