Smoegen Single Malt Whisky

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Mein Besuch bei einer schwedischen Craft-Destillerie

Ich hatte kürzlich das große Vergnügen, die kleine, aber außergewöhnliche schwedische Whisky-Destillerie namens Smögen zu besuchen – und was ich dort erlebt habe, hat mich nachhaltig beeindruckt. Vom Mashing bis zur Reifung: Alles wird hier mit Hingabe und handwerklichem Können umgesetzt. Inhaber Pär Caldenby war so lieb, mir seine Brennerei zu zeigen und ausführlich über seinen Ansatz der Whisky-Herstellung zu sprechen.

Vom Milchtank zum Maischbottich

Gleich zu Beginn ging es in den Produktionsbereich – der „Herzraum“ der Brennerei. Was mir sofort ins Auge fiel: Hier wird mit viel Kreativität gearbeitet. Der Maischbottich? Ein umgebauter Milchtank mit einem falschen Boden. Aber das ist nicht nur rustikal – es ist durchdacht. Es wird mit einem sehr sanften Maischverfahren gearbeitet: nur zwei Wasserzugaben, eine niedrigere Maximaltemperatur. Das Ziel? Die süßen, malzigen Noten extrahieren – ohne die bitteren, grasigen Töne aus den Spelzen.

Langsamkeit als Qualität

Was mich besonders fasziniert hat: die extrem lange Fermentation – ganze sechs bis sieben Tage. Dabei wird nicht nur Alkohol produziert, sondern es entsteht durch natürliche Prozesse ein vielschichtiger und sehr charaktervoller Wash. Die Philosophie dahinter: Nicht Eile, sondern Tiefe zählt.

Handarbeit in jeder Phase

Die Brennblasen haben es mir wirklich angetan. Die Wash Still ist von der Form her einem Verkehrskegel ähnlich – und führt in einen klassischen Worm-Tub-Kondensator. Die Wash Still ist der von Bunnahabhain nachempfunden, nur etwas kleiner. Als Großer Bunnahabhain-Fan für mich natürlich ein kleines Highlight. Auch die Worm Tubs sind für mich ein Schmankerl: Das ist selten und sorgt für einen schweren, körperreichen New Make. Und das ist auch gewollt. Die Spirit Still läuft dann bewusst langsamer – hier wird durch Reflux ein klarer, ausgewogener Brand erzeugt.

Spannend: Die Low Wines sind absichtlich „dreckig“ – sehr charakterstark – um dann durch den zweiten Brennvorgang in eine klare, aromatische Richtung gelenkt zu werden. Der Cut in den „Herzbereich“ der Destillation erfolgt nicht etwa maschinell, sondern allein nach Nase. Pär Caldenby ist Inhaber, Brennmeister, Master Blender zugleich, wer macht hier wirklich alles selbst. Jeder Tropfen geht durch seine Hände. Wow!

Smögen vs. Askeim

Der Löwenanteil der Brennerei wird als Smögen Whisky abgefüllt, ein schwerer, stark getorfter Whisky, der sich ganz bewusst von klassischen Scotch-Stilen abhebt. Doch Pär stellt mittlerweile noch eine zweite Sorte Whisky her, die er unter dem Label Askheim vertreibt. Ein experimenteller, leichterer Stil, basierend auf alten Gerstensorten wie Golden Promise oder Maris Otter. Die Malzigkeit dieser Varianten ist beeindruckend – und sie zeigen, wie spannend die Zukunft von Single Malt Whisky sein kann, auch außerhalb Schottlands.

Das Fasslager: Eine olfaktorische Reise

Wir betreten das Lagerhaus und werden von einem intensiven, süßen, leicht holzigen Duft empfangen – ein Traum für jeden Whisky-Fan.  Hier reifen Pärs Schätze in einer Mischung aus Bourbonfässern, Oloroso-, PX- und Amontillado-Sherryfässern – und sogar in wenigen Weißweinfässern. Besonders spannend fand ich die Tatsache, dass sich trotz schwedischer Sommerhitze die Temperatur im Lager nie über 19°C erhitzt – dank massiver Wände und durchdachter Bauweise.

Und ja – die ältesten Fässer stammen von 2010. Gerade einmal sechs davon sind noch da. Der Großteil der frühen Jahrgänge wurde bereits für die Abfüllungen verwendet – Smögen ist extrem limitiert. Kein Wunder bei nur etwa 10.000 Litern Output im Jahr


Mein Fazit

Was mich an dieser Destillerie besonders begeistert hat, ist die Konsequenz, mit der hier gearbeitet wird: Alles in Handarbeit, durchdacht, langsam, präzise. Wer einmal einen Whisky aus dieser Brennerei verkostet, schmeckt nicht nur Rauch, Malz oder Sherry – sondern Hingabe, Experimentierfreude und Mut.

Ich kann es kaum erwarten, meine Nase in die zahlreichen Proben zu halte, die mir Pär mitgegeben hat. Ich werde berichten :).


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Bis später!

Euer Leon