Mein Besuch bei Sall Whisky – Dänemarks Farm-Destillerie mit Pioniergeist
Moin Whiskyfans,
vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit, die Sall Whisky Distillery in Ostjütland, Dänemark, zu besuchen – und ich kann euch sagen: Das war ein Erlebnis, das mich nachhaltig beeindruckt hat.
Schon der Start war besonders: Ich stand mitten in einem Gerstenfeld, nur ein paar Schritte vom Haus von Lars entfernt, einem der Gründer der Brennerei. Genau hier wächst die Gerste, die in wenigen Monaten zu Whisky verarbeitet wird – 100% biologisch und seit über 20 Jahren ohne Pestizide. Ein 100% Terroir-Whisky aus Dänemark.
Handwerk mit Herzblut
In der Destillerie selbst schlägt das Herzstück – zwei klassische Alambic Pot Stills aus Kupfer, direkt befeuert. Schon beim Betreten spürt man, dass hier mit Leidenschaft gearbeitet wird. Spannend fand ich, dass der erste Maischbottich ursprünglich ein alter Milchtank war. Denn die Destillerie entstand nicht etwa durch große Investoren, sondern wurde von der Gemeinde über Crowdfunding ins Leben gerufen.
Die Geschichte hat mich besonders berührt: Als die Gründer ihre Idee vorstellten, rechneten sie mit drei oder vier Zuhörern – doch die halbe Dorfgemeinschaft kam, etwa hundert Leute! Am Ende des Abends bestellten sie gleich die ersten Flaschen im Voraus. Fünf Jahre später konnten die Gründer den Unterstützern dann die fertigen Whiskys überreichen. Gänsehautmoment!
Kreative Experimente im Fasslager
Im Fasslager lagern derzeit rund 20.000 Liter Whisky in den verschiedensten Fässern. Ex-Bourbon, Sherry in allen Variationen (von Oloroso bis Pedro Ximénez), Marsala, Madeira – sogar Mezcal-Fässer sind dabei. Doch das Verrückteste habe ich dort entdeckt: Zwei identische Fässer, beide gefüllt mit derselben Charge New Make. Der Unterschied?
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Das eine reift still vor sich hin.
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Das andere wurde mit Lautsprechern versehen und hört ununterbrochen ein Musikstück, das ausschließlich aus Geräuschen der Produktion komponiert wurde – vom Gerstenschneiden bis zum Befüllen der Fässer.
Das nennt man wohl „Nerd-Level-Whisky“ – love it! Ob die Schallwellen tatsächlich Einfluss auf die Reifung haben, wird sich zeigen. Das Beste: Es wird sogar eine Vinyl mit genau dieser Musik geben.
Verkostung mit Charakter
Natürlich durfte eine Verkostung nicht fehlen. Wir haben eine Probe gezogen von einem Young Malt (noch nicht ganz Whisky), der in einem ehemaligen Laphroaig-Fass startete, dann aber in ein Manzanilla-Sherry-Fass umgezogen ist. Noch jung, aber schon jetzt intensiv, mit einer wunderbaren Balance aus Gerstennoten und zarter Rauchigkeit.
Was mich dabei begeistert hat: Bei Sall legt man Wert darauf, dass der Charakter der Gerste im Mittelpunkt steht. Kein überladener Sherryhammer, sondern ehrlicher, getreidiger Whisky mit Tiefe. Am besten spiegelt sich dies in der Abfüllung wieder namens „Muld“ – das dänische Wort für „Boden“ oder „Erde“. Und das passt perfekt: Hier schmeckt man die Herkunft.
👉 Den Muld könnt Ihr übrigens neben dem Torv (hergestellt mit dänischem Torf) auch in meinem Skandinavien Online Tasting am 05.09. probieren. Also am besten gleich noch einen Platz sichern!
Mein Fazit
Sall Whisky ist mehr als nur eine Brennerei. Es ist ein Herzensprojekt, ein Stück Gemeinschaft und ein Beweis dafür, dass Whisky auch abseits von Schottland und Irland eine echte Seele haben kann.
Slàinte! 🥃