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Ein Whisky, der mich komplett aus dem Konzept bringt
Ich probiere wirklich viel Whisky. Über zweitausend dürften es über die Jahre gewesen sein. Aber selten sitze ich vor einem Glas und denke mir nach den ersten Sekunden: Was zur Hölle passiert hier eigentlich gerade? Genau so ging es mir mit dem Brenne French Single Malt Whisky.
Und genau deshalb muss ich darüber schreiben – denn wenn ich bei Whisky Tastings eines liebe, dann sind es genau solche Momente: Überraschung, Irritation und dieses kleine bisschen Chaos im Kopf.
Frankreich kann Whisky – aber auch… sowas?
Ich bin gern in Frankreich unterwegs, auch was Whisky angeht. Namen wie Armorik Single Malt oder Glann ar Mor Whisky haben längst bewiesen, dass unsere Nachbarn mehr können als Cognac, Armagnac und Calvados.
Aber Brenne? Der ist mir immer wieder begegnet, ohne dass ich wirklich greifen konnte, was dahintersteckt. Eine Brenne Distillery gibt es jedenfalls nicht.
Was ich herausfinden konnte:
Die Marke wurde von Allison Parc gegründet und der Whisky wird in der Cognac-Region produziert – allerdings ohne klar benannte Brennerei. Gebrannt wird auf einer typischen Cognac-Brennblase, einer „Alembic Charente Still“. Die Vergärung findet mit Cognac-Hefe statt was ich erstmal ziemlich interessant finde. Gereift wird Brenne Whisky in Limousin-Eiche und Ex-Cognac-Fässern. Also kurzgesagt: Ein Whisky, der wie ein Cognac hergestellt wird, mit Ausnahme des Ausgangsmaterials (Gerstenmalz).
Klingt definitiv spannend und hat Potential für Überraschungen. Aber wie groß sie am Ende dann waren, hat mich doch geplättet.
Nosing: Gummibärchen statt Gerste
Ich halte das Glas an die Nase und mein Hirn sagt „bin raus“. Nicht, weil es schlecht ist. Sondern weil es einfach… komplett anders ist. Riecht das nach Whisky? Irgendwie nicht. Mein erster Gedanke: Tutti-Frutti-Gummibärchen. Ananas. Voll ins Gesicht. Kein Malz. Keine Eiche. Kein klassischer Whisky. Stattdessen künstliche Fruchtnoten, Kaugummi, Traubenzucker, ein Hauch von Kinderzimmer-Nostalgie.
Ich habe wirklich selten einen so einzigartigen und seltsamen Whisky im Glas gehabt. Ich kann kaum glauben, dass er in die Kategorie Whisky gehört.
Geschmack: Überraschend trinkbar – aber auch seltsam
Am Gaumen wird’s dann etwas versöhnlicher. Ja, auch hier: künstliche Ananas & Birne, Bananen Kaba und sonstige wirren Aromenbilder sprudeln mir aus dem Kopf… Süß und weiß, eigentlich ein Easy Sipper, aber dafür auch wieder viel zu abgefahren. Das Finish ist kurz.
Aber: Er ist nicht unangenehm. Im Gegenteil – er ist fast schon gefährlich unkompliziert. Aber der „Wow, was ist DAS denn?!“-Effekt ist größer als der eigentliche Genuss aus meiner Sicht. Dennoch würde ich fast schon aus Prinzip dazu raten, den mal zu probieren. Einfach wegen der Freakshow.
Der 10-Jährige: Mehr Tiefe, weniger Spaß
Dann der ältere Bruder: Brenne Ten. Hier kommt tatsächlich mehr Cognac-Charakter durch: weinbrandartige Noten, mehr Holz (vor allem Cognac), mehr Druck. Aber der gefällt mir nicht gut. Irgendwie seifige Aromen, parfümierte Noten, die für mich einfach nicht funktionieren. Kurz gesagt: mehr Komplexität, aber deutlich weniger Trinkfreude.
Mein Fazit: Perfekt fürs Tasting – nicht zwingend fürs Regal
Ich bin ehrlich hin und hergerissen. Ich würde mir eigentlich keine der beiden Flaschen kaufen.
ABER… Ich würde den Brenne Standard sofort in ein Blind Tasting packen. Und ein Teil von mir will die Buddel dann doch haben, allein wegen dem Freak-Faktor. Denn der ist enorm groß.
Der Brenne hat großes Potential ein Blind Tasting zu bereichern, denn er liefert ganz sicher Diskussionen und stiftet Verwirrung. Und damit macht er dann eigentlich auch wieder Spaß…
Für wen ist dieser Whisky gemacht?
Puh, gute Frage. Wenn du klassische Scotch-Profile suchst, wird dich dieser Whisky absolut abschrecken. Wenn Du neugierig bist, oder gelangweilt vom immer gleichen, solltest Du den unbedingt probieren. Denn sowas hattest Du vermutlich noch nicht im Glas.
Wie finde ich den Brenne Whisky? Gut? Schlecht? Irgendwie kann ich mich zumindest bei dem Brenne Standard nicht wirklich entscheiden. So weit weg von meinem sonstigen Beurteilungs-Schema ist dieser Whisky weg. Eine Empfehlung? Schwer zu sagen. Ein Erlebnis? Auf jeden Fall!
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Bis später!
Euer Leon

