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England vs. Irland im Glas – mein Whisky Battle zwischen Cotswolds und Clonakilty
Es gibt diese Whisky Battles, bei denen man schon vor dem ersten Schluck weiß: Das wird spannend. Genau so ging es mir bei diesem Vergleich zwischen dem irischen Clonakilty Single Pot Still Whiskey und dem englischen Cotswolds Signature Single Malt. Zwei junge Brennereien, zwei moderne Interpretationen ihrer Whisky-Traditionen – und zwei unterschiedliche Charaktere im Glas.
Ich hatte das große Glück, bereits 2019 die Destillerie von Clonakilty in Irland zu besuchen – damals noch bevor dort überhaupt eigener Whisky verfügbar war. Umso neugieriger war ich jetzt natürlich darauf, endlich den eigenen Pot Still Whiskey der Brennerei probieren zu können.
Zwei Brennereien, zwei Philosophien
Clonakilty steht für die neue Generation irischer Brennereien. Auch wenn das Thema Transparenz für mich in Irland nach wie vor leidet (siehe eigene Abfüllungen im Regal, noch bevor die Destille 3 Jahre alt ist), muss ich mir dennoch mehr Irish Whiskey ansehen. Es bleibt ja dennoch eine der traditionsreichsten Whiskey-Nationen der Welt. Beim Clonakilty Single Pot Still kommt lokale Gerste und moderne Produktion zusammen. Der Single Pot Still Whiskey wird aus gemälzter und ungemälzter Gerste hergestellt und reifte unter anderem in Amontillado und Oloroso Sherryfässern.
Auf der anderen Seite steht der Cotswolds Signature Single Malt aus England – ein Whisky, den ich mittlerweile wirklich oft im Glas hatte und den ich preislich wie qualitativ für einen echten Geheimtipp halte.
Beide Whiskys liegen bei rund 50 Euro, beide kommen mit 46 % Vol., ungefärbt und nicht kühlfiltriert. Also perfekte Voraussetzungen für ein direktes Battle.
Der erste Eindruck im Glas
Schon optisch liegen beide erstaunlich nah beieinander. Der Cotswolds wirkt minimal dunkler, insgesamt bewegen sich beide aber klar im klassischen Goldton-Bereich.
Beim Nosing zeigte der Clonakilty sofort, wohin die Reise geht:
- saftige Birne
- süße Vanillenoten
- leichte Zuckerwatte
- dezente Eiche
- dazu eine spannende würzig-getreidige Note
Gerade diese Kombination aus Fruchtigkeit und würziger Pot-Still-Charakteristik fand ich ziemlich spannend. Dazu kam eine leicht cremige Komponente, die fast an Vanillekipferl und einen Hauch saure Sahne erinnerte.
Der Cotswolds dagegen ging sofort deutlich intensiver in Richtung:
- Honig
- gelbe Früchte
- Mirabelle
- Gebäcknoten
- Gummibärchen
- kräftiges Malz
Typisch Cotswolds eben: voller, dichter und aromatisch sehr präsent.
Am Gaumen – leichtfüßig gegen kraftvoll
Der Clonakilty startet überraschend saftig und angenehm würzig. Die Eiche ist schön eingebunden, dazu kommen Pfeffer, etwas Ingwerschärfe und diese typisch getreidige Pot-Still-Würze.
Man merkt allerdings auch schnell: Das ist ein junger Whisky. Nicht negativ jung – sondern eher lebendig, frisch und unkompliziert. Keine störenden Fehlnoten, sondern einfach ein ehrlicher, sauber gemachter irischer Whiskey.
Besonders gefallen hat mir:
- die weiche Textur
- die angenehme Birnensüße
- die leichte Trinkbarkeit (sippy!)
Der Clonakilty ist definitiv ein Whisky für Fans eleganter, leichterer Irish Whiskeys. Dann der direkte Wechsel zum Cotswolds. Und hier merkt man sofort den Unterschied.
Der Engländer bringt:
- deutlich mehr Würze
- mehr Druck am Gaumen
- intensivere Frucht
- kräftigen Honig
- mehr Tiefe und Charakter
Allerdings auch mehr Schärfe. Gerade im Finish wird der Cotswolds spürbar kräftiger und fordernder.
Warum der direkte Vergleich für Clonakilty schwierig wurde
Das Interessante war: Der erste Schluck Clonakilty allein hat mir richtig gut gefallen. Im direkten Vergleich mit dem Cotswolds verlor er allerdings etwas an Präsenz. Der Engländer bringt einfach mehr Wucht und Aromatiefe mit. Er ist voller, öliger. Was auch an der zweifachen Pot Still Destillation bei Cotswolds vs. der dreifachen Destillation bei Clonakilty liegen kann. Dreifach Destillation macht den Brand bekanntlich leichter, weicher und manchmal etwas „dünner“.
Das ist übrigens etwas, das ich bei vielen leichteren Irish Whiskeys beobachte: Sie funktionieren hervorragend als Einstieg in ein Tasting, können aber neben kräftigeren Abfüllungen schnell untergehen. Genau das passierte hier auch. Der Clonakilty wirkte plötzlich deutlich zurückhaltender, leichter und weniger komplex. Das macht ihn aber nicht schlechter – nur anders.
Mein persönliches Fazit
Beide Whiskys spielen absolut verdient in derselben Preisklasse.
Der Clonakilty überzeugt durch:
- angenehme Trinkbarkeit
- weiche Pot-Still-Würze
- helle Früchte
- elegante Leichtigkeit
- unkomplizierten Genuss
Wer einen modernen, gut gemachten Irish Whiskey sucht, bekommt hier definitiv eine spannende Abfüllung aus einer jungen Brennerei.
Der Cotswolds punktet dagegen mit:
- mehr Tiefe
- intensiverem Aroma
- kräftiger Würze
- mehr Charakter
- leicht längerem Finish
Für meinen persönlichen Geschmack hatte der Cotswolds am Ende eine kleine Nasenspitze Vorsprung. Aber genau darum liebe ich solche Whisky Battles: Nicht, weil am Ende ein „Sieger“ feststeht – sondern weil man versteht, für welchen Whisky-Typ welcher Dram gemacht ist. Und ich falle definitiv in die Liebhaber-Kategorie „ölig, würzig, kräftig“.
Wenn du leichte, elegante und zugängliche Irish Whiskeys magst, dürfte der Clonakilty genau dein Ding sein. Wenn du dagegen kräftige, würzige und aromatisch intensive Single Malts bevorzugst, wirst du beim Cotswolds vermutlich glücklicher. Und genau deshalb gehören beide Whiskys absolut auf den Tasting-Tisch.
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Bis später!
Euer Leon


