Amrut Kadhambam

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Zweites Date mit dem Amrut Kadambam

Manchmal gibt es diese Messe-Momente.

Ich wusel mich so durch die Messe Whisky Live in Hamburg, bin schon leicht angetüddelt und dann kommt der „große Augen“ Moment.  Am Stand von Amrut habe ich mich etwas in den Amrut Kadambam verschossen. Aber wir wissen: Im Messefieber kann die Wahrnehmung getrübt sein, nicht nur wegen dem Happy-Whisky-Modus.

Nachdem mich der Amrut Bagheera zuletzt im Video eher enttäuscht hatte, wollte ich es wissen:
War der Kadambam wirklich so gut? Oder war es Tagesform und ggf. die Mithilfe der vorherigen Drams?

Also: Flasche auf. Gegencheck. Ehrliche Bestandsaufnahme.

Und was soll ich sagen?
Meine Erinnerung hat mich nicht getäuscht.

Amrut Kadambam Eckdaten:

„Kadambam“ bedeutet im Tamilischen so viel wie Kombination – und genau das ist hier Programm.

Der Whisky:

  • 50 % Vol.

  • Nicht gefärbt, nicht kühlgefiltert

  • Abfüllung Juni 2019

  • Gereift in:

    • Ex-Sherry
    • Ex-Rum (aus dem Hause Amrut)

    • Ex-Brandy (ebenfalls Amrut)

  • Anschließend vermählt in Refill-Bourbonfässern

Das ist schon eine Ansage. Eine richtige Fass-Orchestrierung.

Und ja – das schmeckt man.

Die Nase – exotisch, fruchtig, komplex

Was mir direkt auffällt: Mit klarem Kopf nehme ich deutlich mehr wahr als damals auf der Messe. Da ist sofort dieser typische Amrut-Grundcharakter. Mango-Chutney, Papaya, einfach ein Feuerwerk exotischer Fruchtnoten. Beim professionellen Tasting am folgenden Tag finde ich dann auch den zarten Rauch wieder, der mir im Video untergegangen ist. Ein vielseitiger Whisky, der sich immer wieder in neuen Facetten präsentiert.

Und dann schiebt sich der Brandy-Charakter rein: leicht weinige Noten, Rosinen, ein bisschen Weinkeller, süß-säuerliche Tiefe. Der Brandy tanzt dabei elegant mit dem Rum, den sich sonst in Whisky nur bedingt wahrnehmen kann. Hier ist er aber deutlich zu riechen. Viel karamellisierte Süße und vergorene Früchte. Auf mich wirkt dies erstaunlich harmonisch. Im Tasting hatte ich aber auch Kunden, die das nicht so empfunden haben. Es kommt also auch auf Deinen persönlichen Geschmack an, ob Du diese wilde Kombination von unterschiedlichen Spirituosen Kategorien magst.

Amrut-Whiskys sind meist jung – das indische Klima sorgt für eine enorme Fassaktivität. Bedeutet: viel Aroma, schnelle Reifung, oft eine gewisse Grundschärfe. Aber hier ist das wunderbar eingebunden.

Die Nase ist komplex, dicht und macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Am Gaumen – Frucht-Cocktail mit Eichenpunch

Und dann der erste Schluck. Bäm. Was soll ich sagen? Genau mein Profil. Ein tropischer Fruchtsalat, der aber mit einer deutlichen dunklen Eichennoten unterstrichen wird. Litschi, Limette, viel Marmelade, süße, eingelegte Früchte und eine sahnige Karamellnote. Das Mundgefühl ist ölig, und intensiv. Eindeutig vom Single Malt Scotch inspiriert, aber mit einem extrem exotischen Charakter. Man schmeckt Rum und Brandy wirklich heraus – aber nicht getrennt, sondern als funktionierende Einheit. Aber wie bereits erwähnt: Das ist mein persönlicher Eindruck. Und am Ende kostet die Pulle leider eben auch gute 100 € und das muss man erstmal bereit sein zu bezahlen. Wer also Wert auf Eckdaten, wie hohes Alter legt, für den ist dieser Whisky nichts. Hier ballert das indische Klima viel Charakter in den Malt, in kurzer Zeit. Ist es ein alter Whisky? Nein. Ist er komplex und tiefgründig? Für mich ja.

Vergleich? Vielleicht ein Hauch Kavalan Distillery

Wer taiwanesischen Whisky kennt, denkt vielleicht kurz an Kavalan – wegen der Fruchtigkeit.

Aber Kavalan ist oft noch heller, noch fruchtiger, manchmal fast in Richtung Klebstoff-Noten (im positiven Sinne). Amrut wirkt etwas schwerer, öliger, mit mehr Tiefe und Würze – näher am Scotch-Charakter. Der Kadambam steht für sich. Exotisch – aber mit Struktur.

Preis & Einordnung

Das ist kein 50-Euro-Whisky. Weder riecht noch schmeckt er so. Vom Profil, von der Tiefe und von der Fassarbeit verstehe ich absolut, warum er eher im Bereich um die 100 € liegt. Das hier ist das Premium-Segment bei Amrut – und für mich aktuell mein Lieblings-Amrut. Er top mit einer Nasenlänge Vorsprung sogar den Portonova, den ich sonst extrem abfeiere.

Nach dem Bagheera eine echte Wiedergutmachung.

Für wen ist der Kadambam?

Du wirst ihn lieben, wenn du:

  • auf süße, fruchtige Whiskys stehst

  • Rum- oder Brandy-Noten spannend findest

  • intensive Fassreifung magst

  • cremige, ölige Texturen suchst

  • exotische Aromen erleben willst

Mein Fazit: Leider geil.

Leider geil. Ich habe mir eigentlich vorgenommen, privat keinen Whisky mehr zu kaufen (Arbeitsmaterial ist genug da…). Aber hier juckt es gewaltig. Der Kadambam ist für mich ein Paradebeispiel dafür, wie man verschiedene Fassarten nicht nur mischt, sondern sinnvoll kombiniert. Mein betrunkenes Vergangenheits-Ich hatte recht. Ich bin immer noch Fan.

Lust bekommen?

Wenn du den Kadambam nicht blind kaufen willst, dann buch das aktuelle YouTube Tasting Set auf meiner Website.

Bis später!

Euer Leon